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Geschlechterverteilung

Die Geschlechterverteilung ist das zahlenmäßige Verhältnis der männlichen zu den weiblichen Mitgliedern einer Population. Sie tendiert zur Gleichverteilung von M(askulin):F(eminin) = 1:1, kann aber je nach Spezies davon abweichen, wie etwa bei einigen Bienen- oder Ameisenarten; zeitliche Schwankungen sind auch möglich.

Für die Geschlechterverteilung beim Menschen sind neben natürlichen auch kulturelle Einflüsse von Bedeutung (Alter der Mutter, geschlechtsbedingte Abtreibung, Umwelteinflüsse). Im Jahre 2020 betrug das globale Verhältnis M:F = 1,07:1.

Nach dem Entwicklungsalter der Individuen wird zwischen primärem, sekundärem und tertiärem Geschlechtsverhältnis unterschieden.

Primäres Geschlechtsverhältnis: Das Geschlechtsverhältnis zum Zeitpunkt der Empfängnis ist beim Menschen nicht bekannt. Direkt lässt es sich nicht feststellen, sondern ist nur mittelbar zu erschließen aus der Geschlechtsverteilung der geborenen und der in vorgeburtlichen Entwicklungsphasen verlorenen Individuen. Laut Schätzung einer aktuellen Studie ist nach der Befruchtung die Hälfte männlichen Geschlechts (Anteil 0,5), das Verhältnis damit M:F = 1:1 (= 1,0).

Sekundäres Geschlechtsverhältnis: Das Geschlechtsverhältnis bei der Geburt liegt beim Menschen bei etwa 1,05 männlich zu 1 weiblich, sofern es nicht durch geschlechtsselektive Geburtenverhinderung verändert wird. Der höhere Anteil männlicher Neugeborener von M:F = 1,05 : 1 ist die Folge unterschiedlich hoher pränataler Sterblichkeiten von Embryonen und Föten verschiedenen Geschlechts.

Hungerperioden können zu Schwankungen des sekundären Geschlechtsverhältnisses führen. Eine mangelnde Ernährung der Schwangeren hat Einfluss auf die Schwangerschaftsdauer, mit hinsichtlich Implantation und Fetusverlust geschlechtsunterschiedlichem Verlauf.

Tertiäres Geschlechtsverhältnis: Das Geschlechtsverhältnis im fortpflanzungsfähigen Alter ist beim Menschen stark von historischen und sozialen Einflüssen abhängig. So bewirken verlustreiche Kriege eine Verschiebung des Verhältnisses, weil zumeist nur junge Männer eingezogen werden und im Krieg getötet werden.

Weltweit: Lebenserwartung, Migration und perinataler Femizid

Das Geschlechtsverhältnis Männer zu Frauen beträgt in Industrienationen im Allgemeinen rund 0,9 zu 1,0, was in der geringeren Lebenserwartung der Männer begründet ist. Die höhere Sterblichkeit der Männer führt dazu, dass der bei Geburt vorhandene Männerüberschuss ab einem Alter von ungefähr 57 Jahren in einen Frauenüberschuss umschlägt.

Das Verhältnis wird durch externe Einflüsse zusätzlich verschoben. So können geschlechtsspezifische Gesundheitsgefährdungen, Kriege, Arbeits- und Heiratsmigration sowie legale oder illegale Beeinflussung des Geschlechts des eigenen Nachwuchses die Geschlechterverteilung in die eine oder andere Richtung verschieben.

In vielen Nachfolgestaaten der ehemaligen Sowjetunion ist die Lebenserwartung der Männer deutlich geringer als die der Frauen. So sind von den über 65-jährigen Einwohnern der Ukraine nur noch 32 % Männer (Deutschland/Österreich/Schweiz: je 42 %). Gründe hierfür können nach wie vor ungesunde Arbeitsbedingungen oder der in diesen Ländern vor allem unter Männern weit verbreitete Alkoholismus sein.

In den arabischen Golfstaaten gibt es aufgrund erheblicher Arbeitsmigration (so sind etwa in Katar 81 % der Einwohner Ausländer), die überwiegend Männer ohne ihre Familien ins Land holt, die weltweit ungleichsten Geschlechtsverhältnisse. In Katar und den Vereinigten Arabischen Emiraten sind jeweils nur etwa 32 % der Bevölkerung weiblich.

In manchen Kulturen kann die Tötung von weiblichen Babys nach der Geburt das Geschlechterverhältnis beeinflussen. In Ostasien werden kulturell bedingt Söhne als Stütze und Erbe der Familie angesehen, Töchter dagegen als Armutsrisiko. Hinzu kommen zusätzliche Einflüsse wie die ehemalige, inzwischen aufgegebene Ein-Kind-Politik in der Volksrepublik China, die Eltern von Mädchen die „zweite Chance“ auf einen Sohn verwehrt, oder die Tradition der Mitgift in Indien, die die Verheiratung einer Tochter für die Familien existenzbedrohend teuer werden lässt. So kommen in China 1133 neugeborene Jungen auf 1000 Mädchen (DE/AT/CH: etwa 1055), bei Kindern unter 15 sind es in China sogar 1170 Jungen auf 1000 Mädchen.


Weltkarte Geschlechterverteilung nach Staaten

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  Länder mit mehr Frauen als Männern.
  Länder mit der gleichen Anzahl von Männern und Frauen
  Länder mit mehr Männern als Frauen.
  Keine Daten


Siehe auch

Weblinks

Quellen

Bildernachweis